Fremde Häuser fotografieren – ist das erlaubt?

Wir schauen uns das ganze einmal an:

  • Die Ausgangssituation
  • Welche Interessensgruppen sind gefährdet?
  • Die Gesetzeslage in Deutschland
  • Das Recht in der Praxis

Auch bei öffentlichen Gebäuden, gilt es Rechte zu wahren.

Die Ausgangssituation

Nehmen wir also an, wir haben ein gesteigertes Interesse daran, schöne Architekturfotos von Gebäuden, bzw. dessen Fassaden zu erstellen. Ob wir die Bilder für einen Kunden erstellen, in einem Magazin veröffentlichen, als teuren Kunstdruck verkaufen oder einfach nur für die private Sammlung nutzen wollen, spielt keine Rolle. Die Gesetzeslage ist in jedem Fall gleich.

Welche Interessensgruppen sind gefährdet?

An erster Stelle denkt man natürlich an den Eigentümer des Bauwerkes, des Hauses oder des Grundstückes, welches fotografiert wird. Der Eigentümer könnte einen Eingriff in die Eigentümerrechte seines Objektes befürchten.

An zweiter Stelle stehen die Benutzer, bzw. die Bewohner, wenn es sich um eine Wohnimmobilie handelt, des jeweiligen Objektes. Wird mit den jeweiligen Fotos das Persönlichkeitsrecht verletzt? Oder schlimmer noch die Privatsphäre beeinträchtigt? In diesem Zusammenhang hört man oft den Ausdruck „Das Recht am Bild“.

An dritter Stelle kommt der Architekt oder Bauherr, der für den Entwurf des Gebäudes zeichnet. Immerhin ist das Design eine künstlerische Arbeit und somit sein geistiges Eigentum, welche es zu schützen gilt.

Die Gesetzeslage in Deutschland

Schauen wir einmal was der Gesetzgeber zu sagen hat. Aufschluss bietet vor allem
§ 59 des Gesetztes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG):

(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.

Solange wir uns also auf die äußere Ansicht beschränken, sind wir dem Fotografieren und der Veröffentlichung, auf der sicheren Seite. Zumindest was das Urheberrecht anbelangt.

Aber wie sieht es mit dem Eigentümerrecht aus?

Mit Urteil vom 09.03. 1989 entschied der BGH bereits folgendes:

Der Fotografiervorgang hat keinerlei Auswirkungen auf die Nutzung der Sache selbst. Er hindert den Eigentümer nicht daran, mit der Sache nach Belieben zu verfahren und stört ihn auch nicht in seinem Besitz.

Und ergänzt dabei, dass die (kommerziell verwertete) Fassadenfotografie immer dann zulässig ist, wenn:

  • Aus einem normalen Blickwinkel (ohne Hochstativ, Drohne o.ä.) und
  • vom öffentlichen Straßenrand oder öffentlichen Plätzen fotografiert wird

Als Bestätigung lässt sich noch folgendes Urteil des BGH vom 17.12. 2010 zu Rate ziehen:

Das Fotografieren eines fremden Grundstücks, insbesondere eines darauf errichteten Gebäudes, lässt zwar dessen Sachsubstanz unberührt. Es hat keine Auswirkungen auf die Nutzung der Sache selbst, hindert den Eigentümer nicht daran, mit dem Grundstück weiterhin nach Belieben zu verfahren und stört ihn grundsätzlich auch nicht in seinem Besitz.

Ergänzt hierbei aber noch, dass:

Das Eigentum an einem Grundstück wird aber dann durch (das Aufnehmen und) die Verwertung von Fotografien von auf ihm errichteten Gebäuden und auf ihm angelegten Gartenanlagen und Parken beeinträchtigt, wenn das Grundstück zur Anfertigung solcher Fotografien betreten wird.

Kurz und knapp lässt sich also zusammenfassen, dass, solange wir uns auf öffentlichem Grund und keinem Privatgrundstück befinden, die Außenaufnahmen jeglicher Gebäude zulässig sind und somit weder Eigentumsrechte, noch Urheberrechte verletzt werden. Vorausgesetzt, es handelt sich um einen normalen Kamerastandpunkt, welcher nicht per Leiter o.ä. Hilfsmittel erreicht wurde.

Wie sieht es mit dem Persönlichkeitsrecht aus?

Solange wir nur das Bauwerk abbilden und keine Personen auf den Bildern zu erkennen sind, kann ein Recht am Bild, bzw. Persönlichkeitsrecht nicht greifen. Dies kommt erst zum Tragen, wenn explizit Personen auf den Bildern zu erkennen sind.

Hier muss jedoch auch unterschieden werden, ob die Personen nur Beiwerk oder Hauptbestandteil des Bildes sind. In diesem Zusammenhang greift oft der Passus „Gruppen ab 5 Personen“, ab welchem es sich nicht mehr um Aufnahmen eines einzelnen Individuums handelt. Mehr dazu in der weiterführenden Literatur.

Fotografieren wir also nicht mit einem Teleobjektiv in fremde Fenster, um die dortigen Personen abzubilden, sind wir auch hier auf der sicheren Seite.

Das Recht in der Praxis

Fassen wir also noch einmal zusammen. Die Aufnahme und Veröffentlichung von Gebäuden ist solange unproblematisch und zulässig, solange:

  • Es sich um Fassadenaufnahmen, bzw. Außenaufnahmen handelt
  • Von einem öffentlichen Weg, Platz oder Straße fotografiert wird
  • Der Kamerastandpunkt nicht durch Hilfsmittel erreicht wird
  • Keine Personen auf den Bildern erkennbar sind